Gesamtschule Borbeck

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Projekt Deeskalation

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Wie man Gewalt begegnet

Zehntklässler der Gesamtschule Borbeck lernen Deeskalation, Verteidigung und sicheres Auftreten.

Die Polizei leitete den Kurs. Die WAZ nennt das Projekt stadtweit einmalig:

Transkript des WAZ-Artikels von Vera Eckardt (6.9.2018)

Cristof hat sie schon erlebt und nie vergessen, die Situation, in der er von mehreren Jungen körperlich bedrängt wurde. „Da war ich im sechsten Schuljahr und konnte mich nicht wehren“, erzählt der schmale 15-Jährige, der die zehnte Klasse der Gesamtschule Borbeck besucht. Heute könnte er sich eher behaupten, dessen ist er sich sicher.

Das dazu benötigte Selbstbewusstsein hat sich Cristof in einem besonderen Projekt seiner Schule angeeignet. Dort nahmen er und seine Mitschüler an einem Training in Sachen Selbstverteidigung und Deeskalation teil. Das bislang stadtweit einmalige Anti-Gewalt- Projekt ist Teil des Schulprogramms und wird von zwei Polizeibeamten angeboten.

Wie erkenne ich eine Gefahrensituation? Wie verhalte ich mich richtig? Oder, noch besser, wie vermeide ich eine solche Situation? Und wann weiß ich, ob ich mich einmischen soll oder doch schnell die Polizei rufe? Und was sage ich beim Notruf? Es sind viele wichtige Fragen, die die beiden Beamten Marcel Soltysiak und Rebecca Elke zunächst mit den Zehntklässlern besprechen. „Dabei ist es das Wichtigste, Situationen richtig zu deuten und entsprechend darauf zu reagieren“, erklärt der Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Soltysiak.

Das heißt, sich zu beherrschen, sich nicht provozieren zu lassen, zu deeskalieren und logisch zu handeln – wahrlich nicht einfach, wenn man gerade in einem Alter ist, in dem die Hormone verrücktspielen. Und doch kann man das lernen. Davon ist Guillermo Pineiro überzeugt: Der Spanisch- und Deutschlehrer hat das Projekt konzipiert und ins Leben gerufen, Evonik- Stiftung und die Sparkasse als Sponsoren gewonnen und mit den beiden Beamten ideale Partner gefunden, die sein Konzept praktisch umsetzen.

Dass das nötig ist, davon ist er mehr denn je überzeugt. Denn die Polizeistatistik sagt, dass es die meisten körperlichen Auseinandersetzungen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren gibt. Und immer wieder passiert es, dass bei gewalttätigen Auseinandersetzungen oder Verbalattacken eine schweigende Mehrheit untätig zuschaut. „Mehr Zivilcourage ist deswegen heute genauso wichtig wie die Fähigkeit, sich im Ernstfall zur Wehr zu setzen“, sagt er.

Genau das lernen die Schüler in dem insgesamt sechs Stunden dauernden Training. Nach dem theoretischen Teil geht es zur Sache: Deeskalation, Körperbewusstsein, die richtige Körpersprache, sicheres Auftreten und Verteidigungstechniken werden dort geprobt. „Wie wehre ich Schläge ab“ heißt zum Beispiel eine Übung, die die Gruppe leidenschaftlich und schweißtreibend mit Schlagpolstern praktiziert.

Für die 15-jährige Cagla ist die Technik nichts Neues; die Schülerin betreibt schon länger Kampfsport. „Ich kann mich definitiv verteidigen“, sagt sie und erzählt, dass sie und ihre Freundinnen schon öfter mal von älteren Jungen „doof angesprochen wurden, aber wir sind einfach weitergegangen und haben nicht darauf reagiert“.

Dass das nicht immer so glimpflich ausgeht, weiß sie von anderen Mädchen. Auch ihr Mitschüler Mert ist schon mal in brenzlige Situationen geraten, die ihm Angst gemacht haben. „Jetzt bin ich sehr froh, dass ich hier lerne, wie ich mich im Notfall selbst verteidigen kann“, sagt der 17-Jährige.

 

 

Pressespiegel

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